Heilig-Geist-Hospital
wird Regio-Klinik
Bingen sichert medizinische
Grundversorgung
Stadtrat und Kreistag stellen in gemeinsamer Sondersitzung die Weichen: Ab 2027 wird das Krankenhaus als Regio-Klinik mit 50 Betten weitergeführt.
In einer gemeinsamen Sondersitzung haben Stadtrat Bingen und Kreistag Mainz-Bingen gestern eine wegweisende Entscheidung getroffen: Das Heilig-Geist-Hospital soll ab 2027 als sogenannte Regio-Klinik weitergeführt werden – mit deutlich verändertem medizinischem Angebot, aber gesicherter Zukunft.
Anlass der Sondersitzung war die angespannte wirtschaftliche Lage des Krankenhauses, das zuletzt monatliche Verluste von 700.000 Euro verzeichnete. Stadt und Landkreis hatten in den vergangenen Jahren bereits rund 15 Millionen Euro investiert, ohne den Betrieb dauerhaft finanziell zu stabilisieren. Angesichts der ohnehin angespannten Haushalte beider Gebietskörperschaften war klar: Ein Defizit dieser Größenordnung lässt sich nicht dauerhaft ausgleichen. An der Sitzung nahm auch Gesundheitsminister Clemens Hoch teil.
Umbau mit Landesmitteln finanziert
Nach intensiven Verhandlungen mit dem Land Rheinland-Pfalz steht die Lösung nun fest: Das bisherige Heilig-Geist-Hospital wird zu einer Regio-Klinik mit 50 Betten, die sich auf Innere Medizin und Geriatrie konzentriert. Für den Umbau stellt das Land einmalig 2,5 Millionen Euro an Transformationsmitteln bereit. Hinzu kommen rund 900.000 Euro aus einem Bundesinvestitionsstock sowie eine pauschale Landeszuweisung von 350.000 Euro für kleinere Investitionen im Haus.
Keine Notaufnahme mehr – Grundversorgung bleibt
Mit der Umwandlung verändert sich das medizinische Angebot deutlich. Eine Notaufnahme im bisherigen Sinne wird es künftig nicht mehr geben. Patientinnen und Patienten können die Klinik aber weiterhin direkt aufsuchen. Ambulante chirurgische Behandlungen über die Praxis im MVZ bleiben ebenso möglich wie mehrtägige stationäre Aufenthalte. Schwere Notfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall werden schon bisher grundsätzlich vom Rettungsdienst in umliegende Kliniken gebracht, etwa nach Bad Kreuznach oder Mainz – daran ändert sich nichts. Das Krankenhaus wird auch künftig nicht regulär vom Rettungsdienst angefahren.
Das bedeutet die Regio-Klinik für Patientinnen und Patienten
- Das Heilig-Geist-Hospital soll ab dem 1. Januar 2027 als anerkannte Regio-Klinik weitergeführt werden.
- Geplant sind 50 Betten mit Schwerpunkt auf Innerer Medizin und Geriatrie.
- Eine Notaufnahme im bisherigen Sinne wird es künftig nicht mehr geben.
- Patientinnen und Patienten können die Klinik weiterhin direkt aufsuchen.
- Ambulante chirurgische Behandlungen über die Praxis im MVZ sowie mehrtägige stationäre Aufenthalte bleiben möglich.
- Schwere Notfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall werden – wie schon bisher üblich – vom Rettungsdienst in umliegende Kliniken gebracht, etwa nach Bad Kreuznach oder Mainz.
- Die medizinische Grundversorgung in Bingen soll durch die Regio-Klinik gesichert bleiben.
Neues Finanzierungsmodell soll Druck nehmen
Ein zentraler Punkt der Krankenhausreform ist die künftige Finanzierung. Für die Regio-Klinik sind pauschale Zuschüsse für eine feste Bettenzahl vorgesehen. Damit soll der Druck sinken, immer mehr Patientinnen und Patienten behandeln zu müssen – künftig hängt nur noch ein kleinerer Teil der Finanzierung von der tatsächlichen Fallzahl ab. Zugleich soll das Modell die langfristige Perspektive des Standorts sichern.
Stellenabbau erwartet, Dank an Belegschaft
Die Umstellung wird auch personelle Folgen haben. Da die neue Regio-Klinik deutlich weniger Personal benötigt, ist ein Stellenabbau vorgesehen. Stadtrat und Kreistag dankten den zahlreich anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Heilig-Geist-Hospitals ausdrücklich für ihr langjähriges Engagement.
„Nicht vollwertig, aber tragfähig“ – so bewertet die CDU Bingen die Lösung, weil sie zumindest eine medizinische Grundversorgung in Bingen sichert.
Derzeit gebe es wirtschaftlich keine tragfähige Alternative für die Bevölkerung in Bingen und den umliegenden Gemeinden, hieß es weiter. Man müsse sich den Realitäten stellen. Der Stellenabbau betreffe zwar Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter; wegen des Personalbedarfs in umliegenden Kliniken gehe man jedoch davon aus, dass Betroffene dort Beschäftigung finden können.
Land überträgt Sicherstellungspflicht an den Landkreis
Gesichert ist, dass die Einrichtung ab dem 1. Januar 2027 als offiziell anerkannte Regio-Klinik mit Eintrag im Landeskrankenhausplan bestehen bleibt. Gesundheitsminister Clemens Hoch erläuterte, dass die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung gemäß § 2 des Landeskrankenhausgesetzes eine gemeinsame Aufgabe von Land, Landkreisen und kreisfreien Städten sei. Da das Land die Notwendigkeit einer Regio-Klinik in Bingen anerkenne, gehe der Sicherstellungsauftrag auf den Landkreis über – daraus ergebe sich eine konkrete Sicherstellungspflicht für den Landkreis Mainz-Bingen.
Der Stadtrat Bingen stimmte einstimmig für eine weitere städtische Zahlung von knapp 1,3 Millionen Euro. Auch der Kreistag stimmte der Finanzierung mehrheitlich zu.
Offene Frage: leerstehende Gebäudeteile
Offen bleibt die Vermarktung der Gebäudeteile, die nach dem Umbau leer stehen. Da das bisherige Krankenhausgebäude für die künftigen Anforderungen deutlich zu groß ist, muss für die freiwerdenden Stockwerke eine neue Nutzung gefunden werden, damit die Gebäudekosten die Trägerstiftung nicht überlasten. Die Suche nach tragfähigen Nachnutzungen wird damit zur nächsten wichtigen Aufgabe.